Was kommt nach Nadal?

Carlos Taberner, Nicola Kuhn, Jaume Munar & Co - Ein Blick auf Spanien's folgende Generation im Herrentennis.

International Blog – Florian Heer

Wenn in diesen Tagen das letzte Major des Jahres in New York stattfindet, steht Rafael Nadal als Top-gesetzter Spieler und Weltranglisten-Erster im Fokus der Aufmerksamkeit. Der 15-malige Grand Slam Sieger ist seit gut einem Jahrzehnt die Speerspitze des spanischen Herrentennis und hatte bereits zwischen 2008 und 2014 für insgesamt 141 Wochen die ATP-Weltrangliste angeführt.

Nadal ist nahtlos in die Fußstapfen seiner bereits erfolgreichen Vorgänger getreten und hat die Erfolge derer sogar noch bei weitem übertroffen. Sein Mentor Carlos Moya wurde im Jahr 1999 die überhaupt erste spanische Nummer 1 der Welt im Herrentennis. Juan Carlos Ferrero folgte ihm auf den Gipfel der Weltrangliste vier Jahre später.

Der 31-jährige Nadal stellt auch weiterhin Spaniens Gegenwart im Herrentennis dar und mag die – zumindest nationale – Spitzenposition auch noch in naher Zukunft weiterhin innehaben. Was aber folgt danach? Als die ATP im vergangenen Jahr ihre NextGen-Kampagne mit den besten U21-Spielern einführte, war kein Spieler von der iberischen Halbinsel im Fokus des Interesses. Ein Blick auf die aktuelle ATP-Weltrangliste zeigt, dass zwar immer noch 8 Spanier innerhalb der Top-100 platziert sind, allerdings mit Pablo Carreno-Busta nur einer jünger als 29 Jahre alt ist.

Viermaliger Challenger-Champion Carballés-Baena

Carballés-Baena

Roberto Carballés-Baena

Roberto Carballés-Baena ist der best-platzierte Spieler unter 25. Der 24-jährige aus Teneriffa hat gerade im italienischen Manerbio seinen vierten Titel auf der ATP-Challenger-Tour gewonnen, seinen zweiten in dieser Saison nach dem Triumph in Cortina d’Ampezzo. Carballés-Baena schloss sich diesem Sommer der Equelite Tennisakademie von Juan Carlos Ferrero an, um seiner Karriere neue Impulse zu geben. Die aktuelle Nummer 109 im ATP-Ranking war bereits im August letzten Jahres unter den Top -100 der Welt zu finden.

Die Youngsters der großen Tennisnation tauchen ab dem Platz 200 auf. Insbesondere Nicola Kuhn, der für Furore sorgte als er in Brauschweig im Juli seinen ersten Erfolg auf der ATP-Challenger-Turnier verbuchen konnte. Der erst 17-jährige gebürtige Österreicher mit deutschem Vater und russischer Mutter lebt seit seinem dritten Lebensjahr im sonnigen Süden. Nach seinem Triumph in Niedersachsen war Kuhn in der 2. Bundesliga für Ludwigshafen aktiv, verlor keines seiner fünf Einzel und erreichte schließlich bei seiner Rückkehr auf die ATP-Challenger-Tour das Halbfinale in Meerbusch.

„Die beste Generation die wir im Moment in Spanien haben ist die von 1997“, erzählte Kuhn im Juli. „Da gibt es einige, die richtig gut sind.“

Die Generation von 1997

Munar

Jaume Munar

Hierzu zählen vor allem Jaume Munar, der ebenso wie der große Nadal, von der Balearen-Insel Mallorca stammt. The 20-jährige feierte seinen ersten Titel auf Challenger-Ebene beim Hartplatz-Turnier im spanischen Segovia im letzten Monat. Nadal war es auch der Munar eine Wild Card für das Hauptfeld bei den German Open in Hamburg im Jahr 2015 beschaffte. Angeblich war es eine Voraussetzung seitens Nadal um seine eigene Präsenz am Rothenbaum für die Veranstalter zu sichern. Der Protegé, der heute auf Weltranglistenposition 208 zu finden ist, konnte damals, begünstigt durch die verletzungsbedingte Aufgabe seines Gegners Guillermo Garcia-López, seinen bisher einzigen Sieg auf der ATP-World-Tour verzeichnen.

Zu dieser Generation zählt auch Carlos Taberner. Der 20-jährige aus Valencia hat nach drei ITF-Pro-Circuit-Titeln erst in diesem Jahr den Schritt auf die ATP-Challenger-Tour vollzogen.

„Bei meinen ersten Challengern habe ich nicht gut gespielt. Ich habe zuerst in der Qualifikation begonnen, habe dann schließlich die ersten Hauptfelder erreicht und inzwischen gewinne ich auch dort einige Matches“, erzählte Taberner während des ATP-Challlenger-Events in Manerbio. Bei dem mit €43.000-dotierten Sandplatzturnier erreichte der sympathische UD Levante Fußball-Fan das Viertelfinale. In San Benedetto einige Wochen zuvor stieß er sogar in die Runde der letzten Vier vor.

Taberner

Carlos Taberner

„Die Bedingungen in Italien liegen mir sehr gut. Es ist ähnlich heiß wie in Spanien, der Platz ist ziemlich schnell und die Bälle springen hoch ab. Das kommt meiner mit starkem Topspin gespielten Vorhand sehr zu gute. Natürlich gibt es noch einiges in meinem Spiel zu verbessern. Vor allem an den Volleys muss ich noch arbeiten.“

Gefragt nach seinen Vorbildern, nennt Taberner natürlich seine berühmten Landsleute. „Selbstverständlich mag ich Nadal, aber eigentlich ist David Ferrer mein Vorbild. Ich bewundere seine Einstellung zum Spiel und seinen immensen Kampfgeist auf dem Platz.“

Bernabé Zapata Miralles und Pedro Martínez Portero sind weitere Namen dieser Generation, die in den kommenden Jahren noch für weitere spanische Erfolge auf der Tour verantwortlich sein könnten. Alle genannten sind im Moment zwischen den Plätzen 200 und 300 der ATP-Weltrangliste zu finden.

Kuhn bleibt in der Erfolgsspur

„Wenn man nach noch jüngeren Spielern sucht, wird es etwas schwieriger“, sagt Kuhn. Es fällt allerdings der Name Alejandro Davidovich. Der 18-jährige aus Málaga gewann die Juniorenkonkurrenz in Wimbledon dieses Jahr und erreichte auch bereits erste Finals bei den ITF-Futures.

Nicola Kuhn

Kuhn selbst gilt wohl als die größte Hoffnung des Landes. Dass er den als allseits besonders schwierig geltenden Wechsel zwischen Junioren- und Erwachsenen-Level meistern kann, hat er durch seine ersten beachtlichen Resultate eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Zurzeit nimmt sich der Teenager gerade eine kleine Auszeit. „Aufgrund anhaltender körperlicher Probleme haben mein Team und ich entschieden die nächsten 3 bis 4 Wochen zur Erholung zu nutzen und um mich auf die Hartplatzsaison vorzubereiten“, ließ Kuhn kürzlich über seinen twitter-Account verlauten.

Ob es am Ende zu ähnlichen Erfolgen wie bei einem Nadal reichen wird, steht in den Sternen. Absolut zu recht lässt er sich auch nicht unter Druck setzen. “Es stört mich schon ein bisschen, dass die Leute jetzt anfangen Spieler zu vergleichen. Jeder ist anders”, betonte Kuhn bereits nach seinem Erfolg in Braunschweig.