Julian Lenz: “Die Leistungsdichte ist extrem geworden!”

Julian Lenz erreicht bei seinem Heimturnier in Marburg das erste Halbfinale auf der ATP-Challenger-Tour. Florian Heer hat mit ihm über die aktuelle Situation im Tenniszirkus abseits der großen Turniere gesprochen.

International Blog  – Florian Heer im Interview mit Julian Lenz

Mit dem Einzug in das Halbfinale bei den Marburg Open konnte Julian Lenz seinen bisher größten Erfolg auf der ATP-Challenger-Tour verzeichnen.

Im Rahmen des mit 43.000 Euro dotierten Turniers haben wir mit dem 25-jährigen Gießener über die aktuellen Geschehnisse im Tenniszirkus gesprochen.

TTT: Sie sind zum ersten Mal unter die letzten Vier bei einem ATP-Challenger-Turnier gekommen. Ein Woche mit der man wohl zufrieden sein kann?

Lenz: Definitiv. Es gibt ja jetzt ein neues Ranglistensystem, wodurch fast alle ATP-Punkte, die bei Futures erzielt werden wegfallen und lediglich die der Challenger-Tour zählen. Dadurch sind die Qualifikationsrunden stärker geworden. Man spielt immer gegen qualitativ hochwertige Spieler und man sieht es häufiger, dass Qualifikanten sich mal bis ins Finale spielen oder auch ein Turnier gewinnen. Das verdeutlicht die extrem hohe Leistungsdichte. Daher ist es sehr gut ein Turnier vor der eigenen Haustür zu haben, wo ich mit einer Wild Card direkt in das Hauptfeld starten konnte. Drei harte Quali-Runden blieben mir somit erspart. Ich habe mir aber auch Druck gemacht vor dem Turnier, da es eine große Chance für mich bedeutete. Ich bekomme bei Challengern nur eine Wild Card im Jahr. Diese Nervosität habe ich dann leider auch in mein Erstrunden-Match übertragen, wo ich beim Ausservieren mit dem Aufschlag ziemlich gewackelt habe, da ich die Ranglistenpunkte vor Augen hatte. Danach wurde es glücklicherweise aber besser.

Lenz

Julian Lenz (photo: Florian Heer)

Hat die angekündigte Einführung der Transition-Tour im nächsten Jahr auch Auswirkungen auf die eigene Turnierplanung?

Ja, definitiv. Mein Plan ist es als nächstes in der Regionalliga für Bad Homburg durchzuspielen. Ich werde noch in Kassel das 25.000$+H ITF-Futures spielen. Hier gibt es zumindest für die Finalisten noch Punkte, die umgewandelt werden. Außerdem ist es für mich um die Ecke und ich habe schöne Erinnerungen an das Turnier. Vor zwei Jahren habe ich dort im Finale gegen Yannick Hanfmann gespielt. Auch bei den Wetzlar Open werde ich noch antreten, um mein derzeitiges Ranking (Anm. Nummer 689) weiter zu verbessern. Im Herbst werde ich dann vorrangig bei den Qualis auf der ATP-Challenger-Tour antreten, um Punkte für nächstes Jahr zu sammeln. Nach überstandener Verletzung kann ich jetzt hoffentlich auch wieder unbeschwert angreifen.

Freut man sich auch als deutscher Spieler darüber, dass es wieder mehr Challenger-Turniere im eigenen Land gibt?

Das ist natürlich riesig für uns. Die Turniere in Deutschland sind immer hervorragend organisiert. Als Spieler fühlt man sich super wohl. Als Deutscher haben diese Events auch einen anderen Stellenwert. Zudem müssen junge Spieler auch gefördert werden, um in der Weltrangliste aufzutauchen. Da ist auch der DTB mit in der Verantwortung die Turniere in Deutschland zu subventionieren. Das geht nur im eigenen Land. Ich gehe davon aus, dass der Trend mehr in Richtung Challenger gehen wird, das dort mehr investiert wird. Dies ist enorm wichtig.

Sie gehören zu der Fraktion deutscher Spieler, die auch in den Staaten College-Tennis gespielt haben. Welche Erfahrungen konnte Sie dort sammeln?

Ich war für vier Jahre an der Baylor University in Texas. Unter anderem Benjamin Becker war dort und weitere gute Spieler aus der Region. Es war eine enorm schöne Zeit. Nicht nur Tennis-technisch, sondern man konnte sich auch als Person weiter entwickeln. Man kommt aus der heimischen Komfort-Zone heraus und ist komplett auf sich alleine gestellt. Die Traningsmethoden sind zudem teilweise etwas unorthodox. Da wird man schon etwas anders ran genommen als das hier der Fall ist. Das härtet ab für die Profi-Tour. Ich hatte auch insgesamt ein gutes Resümee als die Nummer 1 meines Teams. Leider hatte ich zum Ende hin mit ein paar Verletzungen zu kämpfen gehabt, aber dadurch konnte ich auch viel über meinen eigenen Körper herausfinden. Wie viel muss ich trainieren? Wie viel Regenerationszeit benötige ich? Dies Erfahrungen hoffe ich in Zukunft auch mit einbringen zu können.

Sie haben dann auch mit einem Bachelor-Degree abgeschlossen?

Ja, in Business Administration mit Schwerpunkt Finanzierung.

Gibt es noch Pläne für ein etwaiges Master-Studium?

Nein, dies ist leider zu zeitintensiv. Dann braucht man kein Tennis mehr spielen (lacht). Irgendwann wird es aber auch vielleicht langweilig auf der Tour, wenn man viel unterwegs ist. Dann kann man mal schauen.