Daniel Brands: “Irgendwann hat es dann wieder angefangen zu jucken!”

Daniel Brands erreichte beim ATP-Challenger an der Rafa Nadal Academy in Manacor das Viertelfinale. Am Rande des Turniers auf Mallorca traf ich den Deutschen zum Gespräch über seine Höhen und Tiefen auf der Tour, warum eine Auszeit vom Tennis gut tun kann und wieso er jetzt positiv auf die restliche Saison blickt.

International Blog  – Florian Heer im Interview mit Daniel Brands

Seit 13 Jahren ist Daniel Brands inzwischen Tennis-Profi. In dieser Zeit hat der heute 31-jährige aus Deggendorf einige Höhen und Tiefen erlebt. 7 ATP-Challenger-Titel stehen zu Buche. Im August 2013 schaffte er es bis auf Platz 51 der ATP-Weltrangliste. Im gleichen Jahr gab Brands auch sein Debüt für die deutsche Davis-Cup-Mannschaft im Relegationsspiel gegen Brasilien.

2014 erfolgte die Diagnose Pfeiffersches Drüsenfieber. In den kommenden Jahren musste sich der aufschlagstarke, hochaufgeschossene Deutsche auch mit Verletzungen auseinander setzen. Im Juli dieser Saison gewann “Brandy” wieder einen Titel auf der ATP-Challenger-Tour, seinen ersten in 6 Jahren.

Im Rahmen der Rafa Nadal Open Banc Sabadell auf Mallorca, konnte ich mit dem sympathischen, ruhig und überlegt auftretenden Bayer über seine bewegte Karriere und seine Ziele sprechen. Zunächst standen allerdings die Rahmenbedingungen beim ATP-Challenger-Turnier an der Rafa Nadal Academy im Vordergrund.

TTT: Wie ist dein Eindruck von der Anlage hier?

Daniel Brands: Die Anlage hier ist unglaublich schön. Da gibt es wohl wenig Vergleichbares auf der Welt. Ich denke, dass wir großes Glück haben, hier spielen zu dürfen. Du hast alles, was du brauchst. Es gibt sogar ein Eisbecken, was für uns ziemlich wichtig ist. Man merkt, dass Rafa wohl in die Planung involviert war, da er natürlich am besten über die Belange der Spieler Bescheid weiß. Wenn dir mal langweilig ist hast du auch die Möglichkeit hier Pádel zu spielen. Das ist eine tolle Abwechslung.

Ist man als Tennis-Profi eigentlich automatisch gut im Pádel?

Wenn man Tennis spielen kann, tut man sich wahrscheinlich einfacher, da dieser Sport nicht ganz weit weg ist. Ich habe bereits ein paar Mal zu Hause in München gespielt. Natürlich muss man wissen, wie man in welchen Situationen reagiert, wo man den Ball hinspielt. Gegen einen Pádel-Profi hat man wiederum wohl eher wenig Chancen. Es macht aber einfach unglaublich viel Spaß. Leider fehlt die Zeit etwas mehr spielen zu können. Mal sehen, was sich noch nach der Tenniskarriere ergibt (lacht).

Ihr seid auch direkt auf der Anlage untergebracht. Wie sind die Unterkünfte?

Die Unterkunft ist sehr schön. Die Zimmer sind geräumig und die Wege zum und von den Plätzen sind kurz. Das ist angenehmer als jedes Mal 30 Minuten von und zur Anlage zu benötigen. Man muss lediglich verhindern, einen kleinen Lagerkoller zu bekommen. Deshalb waren mein Trainer und ich auch mal zum Abendessen in Porto Cristo unterwegs, um was anderes zu sehen.

Brands

Daniel Brands

Warst du bereits vorher auf Mallorca?

Ja, aber das letzte Mal ist sehr lange her. Ich muss maximal zwei Jahre alt gewesen sein, als ich mit meinen Eltern hier war. Ich werde nach dem Turnier noch eine Woche Urlaub mit meiner Freundin hier verbringen. Da bleibt noch etwas Zeit, um die Insel zu erkunden.

Im nächsten Jahr stehen Veränderungen auf der ATP-Challenger-Tour an. Hast du dich damit bereits beschäftigt und wie ist deine Meinung dazu?

Klar, hat man sich mit den Plänen auseinander gesetzt. Ich bin noch ein wenig skeptisch. Ich werde das Ganze noch etwas abwarten müssen. Fakt ist, dass man die Weltrangliste kleiner halten möchte. Ich weiß nicht, inwieweit das sinnvoll ist, da es Spieler gibt, die dann aufhören müssen, da es für sie keine Perspektive mehr geben wird. Es wird auch brutal schwer gemacht, um hoch zu kommen. Problematisch finde ich zudem, dass niemand im Vorfeld mit uns gesprochen hat. Man hätte ein paar Spieler herausnehmen können oder eine verpflichtende Umfrage starten können, um deren Meinung in die Planung zu involvieren. Leider ist dies nicht passiert und das finde ich schade.

Du hast in den letzten Jahren auch eine bewegte Geschichte hinter dir. Kannst du noch einmal die Ereignisse zusammenfassen?

Die letzten Jahre waren nicht so einfach. Ich hatte 2013 meine beste Saison und bin das Jahr darauf am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt. Das hat dann ein bisschen gedauert wieder zurückzukommen und konstant mein Tennis zu spielen. Ich hatte viele Tage, wo ich mich nicht zu 100 Prozent fit fühlte – und dann hast du im Profi-Sport nicht viele Chancen. Zwischenzeitlich hatte ich mich mal wieder hoch gespielt, habe es allerdings nicht bis in die Top-100 geschafft. Zudem musste ich mich im vergangenen Jahr am Knie operieren lassen, was wieder eine halbjährige Pause nach sich zog. Vier Monate habe ich gar kein Tennis gespielt, was mir gut getan hat.

Gut getan?

Ja, da ich mal auf ganz andere Gedanken gekommen bin. Es half mir auch festzustellen, ob mir das Tennis überhaupt fehlt. Macht es Sinn weiter zu machen? Irgendwann hat es dann wieder angefangen zu jucken. Du schaust Tennis im Fernsehen an und siehst Spieler, die nicht weit weg von dir waren und denkst dir “Mein Gott!” – das kannst du doch auch. Warum sollte ich dann mit 30 die sogenannte Flinte ins Korn werfen. So fiel meine Entscheidung noch einmal alles auf eine Karte zu setzen. Ich musste viel investieren, wollte mir aber noch einmal die Chance geben. Im März 2018 habe ich dann wieder mit Turniertennis angefangen, habe es geschafft mich ganz gut wieder rein zu spielen und kann mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden sein. Ich stehe um Nummer 200 in der Weltrangliste und habe bis April 2019 eigentlich kaum Punkte zu verteidigen. Ich schaue zuversichtlich in die zweite Hälfte des Jahres.

Im vergangenen Monat konntest du im italienischen Recanati deinen ersten ATP-Challenger-Titel in 6 Jahren gewinnen. Inwieweit konnte dich das beflügeln?

Da ziehst du nochmal richtig viel raus. Da wird dir bewusst, dass du jede Woche die Chance hast ein Turnier zu gewinnen, auch bei größeren Events wieder mehr zu reißen. Das gibt dir nochmal ein paar zusätzliche Prozent, die bei einigen Matches dann den Unterschied ausmachen können.

Wie sieht deine aktuelle Trainingssituation aus?

Seit Anfang des Jahres bin ich bei Alexander Satschko in München, der auch Peter Gojowczyk trainiert. Das läuft sehr gut. Bei den Turnieren betreut mich mit Frederic Arlt ein guter Bekannter von früher. Er studiert gerade, schreibt seine Master-Arbeit und hat Zeit mich auf der Tour zu begleiten. In der Jugend habe ich bei seinem Papa in Landshut trainiert. Das passt sehr gut, da er sehr viel Ahnung vom Tennis und Fitness hat. Wir kennen uns gut und mögen uns auch gerne. Das ist eine gute Voraussetzung.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!