Federer: “Ich weiß nicht, wie viele Pfeile ich noch im Köcher habe!”

Tobias Huber – Blog

Siege bei den Australian Open, in Indian Wells und Miami. Roger Federer ist seit Januar wieder zurück in der absoluten Weltspitze, könnte sogar noch in dieser Saison wieder die Nummer eins werden.

„Ich weiß nicht, wie viele Pfeile ich noch im Köcher habe. Mein Fokus liegt nicht darauf Nummer 1 zu werden, mein Ziel ist es gesund zu bleiben, und möglichst viele Turniere zu gewinnen“, sagt der 35-Jährige.

Nach einer längeren Pause verbunden mit dem Auslassen der gesamten Sandplatzsaison, greift Federer pünktlich zum Beginn der Rasenzeit auf der ATP World Tour wieder richtig an und erklärt:

“Wenn man Pause macht, hilft das dem Körper zu regenerieren. Auch im Kopf abschalten. Dann ist die Freude riesig groß, wieder zurückzukommen. Dann kommt das erste Match, dafür hat man trainiert, das will man. Wenn man zu lange spielt, fehlt es oft irgendwann am Feuer. Bei mir wird das Feuer nicht mehr erlöschen, weil ich nicht mehr so viel spielen werde. Ich muss dafür die richtige Balance zwischen Training, Pause und Matches finden.”

Erste Etappe ist der Mercedes-Cup in Stuttgart. „Nachdem ich in den letzten zehn Wochen zum Trainingsweltmeister geworden bin, freue ich mich riesig darauf, dass ich endlich wieder Turniere spielen darf“, so der Schweizer, der sich mit neuer Kurzhaarfrisur präsentierte.

In Stuttgart und eine Woche später in Halle möchte sich Federer perfekt auf sein nächstes großes Ziel, Wimbledon, vorbereiten. „Die Rasensaison ist kurz und intensiv. Die größte Veränderung in meinem Spiel wäre sicherlich, wenn ich viel Serve and Volley spiele. Aber ich glaube, dass ich gefährlicher bin, wenn ich den richtigen Mix finde. Ich möchte mein Spiel so verfeinern, dass ich für Wimbledon bereit bin“, erläutert die aktuelle Nummer fünf der Welt.

Sein Körper sollte dem Schweizer dabei nicht im Weg stehen. „Ich spiele im Training super gut, fühle mich gut und frisch“, berichtet er. Auch aus dem Sieg von Rafael Nadal bei den French Open schöpft Federer Zuversicht. „Er hat es vorgemacht, wie man ein großes Ziel erreichen kann. Ich hoffe, dass ich das in Wimbledon nachmachen kann. Allerdings kommt Rafa natürlich auch mit großem Selbstvertrauen nach Wimbledon“, so der Schweizer.

Zunächst einmal tritt er jedoch am Stuttgarter Killesberg an. „Es ist ein ganz spezielles Turnier. Es hat eine Seele, weil es in einem Club stattfindet. Für mich ist es speziell, weil es nicht weit weg von zu Hause ist. Ich habe mich gefreut, mal wieder auf deutschen Autobahnen zu fahren“, so Federer mit einem Augenzwinkern.

Nach einem Freilos in der ersten Runde könnte Federer auf den Lokalmatadoren Tommy Haas treffen. „Ich glaube, das Turnier würde sich freuen, wenn wir aufeinander treffen. Für mich wird das nicht so einfach, gegen Tommy mein bestes Tennis auszupacken. Er ist ein sehr guter Freund von mir“, sagt der Schweizer, der mit Haas am Sonntag in Stuttgart eine öffentliche Trainingseinheit absolvierte.

„Ich habe dabei genau gesehen, warum er auf Rasen so stark spielt. Seine Rückhand ist fantastisch, er liest das Spiel gut, kann gut variieren. Ich kann mich auch noch erinnern, dass er mich vor nicht allzu langer Zeit in Halle im Endspiel geschlagen hat“, so Federer.

Federer äußerte sich auch zur Formkrise von Novak Djokovic. „Ich kann es schwer beurteilen, woran es liegt. Ich habe ihn zuletzt kaum spielen gesehen“, so der 35-Jährige. Er glaubt nicht, dass das Formtief lange anhalten wird. „Er ist ja nicht verletzt. Ich erwarte einen starken Novak Djokovic in naher Zukunft“, sagt Federer.