Es muss nicht immer Tennis sein – Sergiy Stakhovsky steigt ins Weingeschäft ein

International Blog – Florian Heer

Sergiy Stakhovsky gilt nicht als Vertreter leiser Töne auf der ATP-Tour. Dies hat der 34-jährige Ukrainer in den vergangenen Jahren des Öfteren bewiesen, wenn es um sportpolitische Diskussionen ging. Stakhovsky bezog, insbesondere in seiner Funktion als Mitglied des ATP-Spielerrates, gerne Stellung. Diesen Posten legte die aktuelle Nummer 153 der Weltrangliste im vergangenen Jahr allerdings nieder. Auch als Aktiver wird Stakhovsky in der kommenden Saison deutlich kürzertreten. Zudem hat er sich mit der Produktion seines eigenen Weines ein weiteres Standbein geschaffen.

Dienstagnachmittag vor einigen Wochen im französischen Rennes. Sergiy Stakhovsky hat gerade sein Auftaktmatch in das erste europäische ATP-Challenger-Turnier der neuen Saison gegen den deutschen Mats Moraing glatt in zwei Sätzen gewonnen. Der Ukrainer ist beim mit 46.600 Euro dotiertem Indoor-Event in der Bretagne an Nummer eins gesetzt und wirkt mit seiner Performance zufrieden. Die Saison hat er in Australien begonnen, wo die Reise in der zweiten Runde der Qualifikation zu den Australian Open allerdings zu Ende ging. Druck als Top-Favorit in ein Turnier zu gehen verspürt der Routinier keinen mehr.

Weniger Turniere in 2020

„Alle Spieler hier können gutes Tennis spielen. Die Unterschiede zwischen der Nummer 50 und er Nummer 250 im Herrentennis sind sehr gering. Man kann gegen jeden gewinnen oder eben auch verlieren“, erklärt Stakhovsky im Interview, das in einem kleinen Presseraum innerhalb der Le Liberté-Arena stattfindet. „Für mich wird diese Saison jedoch im Vergleich zu vergangenen Jahren deutlich anders aussehen, da ich signifikant weniger Turniere spielen werde.“

Gut 10 Jahre ist es her als der Mann aus Kiev auf Rang 31 seine höchste Position im ATP-Ranking verzeichnen konnte. Vier Titel konnte Stakhovksy auf der ATP-Tour erringen. Inzwischen ist er allerdings vorrangig auf Challenger-Level unterwegs. Diesen Status Quo gilt es im dritten Jahrzehnt seiner professionellen Tenniskarriere zu ändern. Lediglich ausgewählte Challenger-Turniere wolle er 2020 spielen. Unter anderen das Event in Pau, welches von seinem Kumpel Jeremy Chardy ausgerichtet wird.

Tokio als Ziel

„Ich werde vorrangig die Qualifikation zu den ATP-Events spielen. Montpellier, Rotterdam und Marseille stehen hier als nächstes an. Wenn es mit dem Hauptfeld nicht klappen sollte, dann werde ich nicht zwangläufig auf die Challenger-Tour zurückgehen“, so Stakhovsky, der somit noch einmal in die Top-100 zurückkehren möchte und auch bei den Olympischen Spielen in Tokio dabei sein will. Es wird ein letzter Angriff auf die absolute Weltspitze sein. Innerhalb der nächsten Jahre möchte der eloquente Ukrainer seinen Tennisschläger an den Nagel hängen.

„Wenn man bereits einige Jahre unter den besten 50 Spielern der Welt verbracht hat und eine durchaus anständige Karriere hatte ist es immer wieder eine Herausforderung sich für die nächsten Aufgaben zu motivieren“, gibt Stakhovsky, der 2013 mit dem Sieg über Roger Federer in Wimbledon seinen größten Karriereerfolg feierte, zu.

„Ich habe eine gute Vorbereitung für diese Saison hinter mir, aber mental wird es immer schwieriger. Gerade gegen die jungen, noch sehr hungrigen Spieler. Auch wenn diese nicht immer das beste Ranking haben, fordern sie dich jedoch enorm, da sie jedes Match gewinnen möchten.“

Einstieg ins Weingeschäft

Der erfahrene Profi hat in der Zwischenzeit auch abseits des Platzes neue Vorlieben entdeckt. Ende Januar stellte Stakhovsky in Kiew seinen eigenen Wein vor. „Das Projekt hat vor fünf Jahren begonnen als wir zwei Hektar Weingut in der Ukraine pachteten. Wir haben etwas umstrukturiert und zwei Rebsorten angebaut. Eine georgische namens Saperavi und Merlot. In der Ukraine gibt es zwar einen großen Markt, wir haben jedoch keine ausgeprägte Weinkultur.“

Als Weintrinker würde sich Stakhovsky selbst nicht bezeichnen, eher als Weinliebhaber. „Ich mag das ganze Prozedere. Die gesamte Kultur rund ums Wein trinken. Es ist schön mit Freunden ein gutes Glas Wein zu genießen und die verschiedenen Erfahrungen auszutauschen. Zudem handelt sich um ein noch eher gesünderes alkoholisches Produkt“, so Stakhovsky, der durch seine Teilnahme bei einem Turnier in Bordeaux erste Kontakte in die Industrie knöpfen konnte. Diese pflegt er bis heute und folglich wird es neben dem Verkauf in der Ukraine auch in Südfrankreich und in seinem Wohnort in Budapest ein Geschäft geben, wo man den „Ace by Stakhovsky“ in Zukunft käuflich erwerben kann.

„Ich habe keine Ahnung, wie es bei den Kunden ankommt. Ich denke wir haben ein gutes Produkt, in das wir viel Kraft gesteckt haben. Am Ende ist das für mich kein großes Business. Falls das Projekt läuft und sich trägt, ist das für mich absolut in Ordnung.“