Koblenz Open Veranstalter Heiko Hampl: “Man geht stark ins Risiko!”

International Blog – Florian Heer

Tomas Machac hieß der Überraschungssieger der diesjährigen Koblenz Open. Der 19-jährige Tscheche besiegte den Niederländer Botic van den Zandschulp im Einzelfinale in drei Sätzen. Das größte Hallenturnier im deutschen Herrentennis mit einem Gesamtpreisgeld von 46.600 Euro wurde bereits zum vierten Mal in der CGM-Arena in Koblenz ausgetragen. Nach über 9.000 Zuschauern im vergangenen Jahr fiel der Zuschauerzuspruch in dieser Saison, trotz erneut reger Beteiligung deutscher Spieler, deutlich geringer aus.

Ich traf den Veranstalter und Turnierdirektor Heiko Hampl am Final-Sonntag zum Interview.

Tennis TourTalk: Heiko, wie fällt dein Fazit der letzten sieben Tage in Koblenz aus? Wie zufrieden bist du mit der Woche?

Heiko Hampl: Aus sportlicher Sicht war es super für uns, da auch viele deutsche Spieler am Start waren. Viele sympathische Jungs waren hier, die sehr gut angekommen sind. Klar hätten wir uns den ein oder anderen auch im Halbfinale oder Finale gewünscht. Vom Zuschauerzuspruch waren wir nicht ganz zufrieden. Mag sein, dass die Ferienwoche in Rheinland-Pfalz doch etwas gekostet hat. Insgesamt war die Woche okay. Letztes Jahr hatten wir jedoch eine Ecke mehr Zuschauer gehabt.

Das Turnier hat in diesem Jahr nicht wie bisher in der ersten Woche der Australian Open stattgefunden, sondern gut einen Monat später. Welche Auswirkungen haben sich dadurch ergeben?

Man merkt eine Tendenz, dass die Spieler es ausnutzen den Januar fast komplett in Australien zu bleiben. In Quimper (Anm.: das ATP-Challenger-Turnier fand parallel zu den Australian Open statt) war die Nummer 160 der Top-gesetzte Spieler. Mit diesem Ranking wäre man früher beim alten Hallenturnier in Heilbronn noch nicht einmal ins Hauptfeld gekommen. Insgesamt waren die Matches aber sehr attraktiv und auf hohem Level. Es ist schwer vorherzusehen, wer weiterkommt. Leute wie Tomas Machac sind Spieler, die noch nicht im Rampenlicht unterwegs sind. So ein Turnier lebt auch von Überraschungen und Newcomer treten in Erscheinung. Das war auch in diesem Jahr wieder der Fall.

Tomas Machac war die große Geschichte in dieser Woche. Welchen Eindruck hat er auf dich gemacht?

Er wirkt ganz schön abgeklärt. Er hat es sehr solide runter gespielt. Gerade im Halbfinale gegen Ruben Bemelmans war es eher der Belgier, der mit seiner Leistung zu hadern hatte. Es spricht für einen jungen Spieler, wenn er es schnell hin bekommt auf diesem Level keine Schwäche zu zeigen.

Du bist nicht nur für das Turnier in Koblenz verantwortlich sondern auch für das Ludwigshafen Challenger, das im letzten Jahr zum ersten Mal auf dem Geländes des BASF Tennis-Club ausgetragen wurde. Wie steht es um dieses Event?

Leider wird das Turnier in diesem Jahr nicht stattfinden. Es war ein tolles letztes Jahr und hat auch sehr viel Spaß gemacht mit einer fantastischen Anlage vor Ort. Die Anforderungen zur Austragung eines solches Event sind jedoch sehr hoch geworden. Gerade die Hospitality für die Spieler über mehrere Tage ist ein Kostenfaktor, der schmerzlich im Magen liegt. Im Sommer sind zudem die Konditionen bei den Hotels nicht besonders gut. Da landet man bei über 25.000 Euro. Das ist eine große Herausforderung. Zudem wird es immer schwieriger die klassischen Sponsoren wie Banken oder Autohäuser an Bord zu bringen. Letztendlich hat es sich für uns nicht mehr rentiert.

Schielt man vielleicht schon auf einen anderen Austragungsort?

Jetzt erstmal nicht. Zurzeit zieht es mich mehr in der Vermarktung von Turnieren. Wir haben eine kleine Kooperation gestartet. Ich kann auch nicht garantieren, dass ich Koblenz zwingend weitermache oder ob ich es an jemand anderen übergebe und im Hintergrund vielleicht noch mitwirke.

Es gab auch ein wenig Unklarheit bezüglich der Austragung eines Challengers in Köln. Kannst du diesbezüglich ein wenig Klarheit schaffen?

Da bin ich wahrscheinlich auch nicht auf dem letzten Stand. Ich weiß jedoch, dass ein Challenger-Turnier für die zweite Woche der French Open beantragt wurde. Allerdings finden dort bereits drei Turniere in Europa statt und es hätte dementsprechend nicht in den Kalender gepasst. Mit dem Kauf der WTA-Lizenz aus Nürnberg hat sich Herr Müller wahrscheinlich anders entschieden. Ich habe nichts neues gehört, dass ein Challenger in Köln geplant wäre.

Wie sieht es mit den Koblenz Open 2021 aus?

Stand jetzt steht das in den Sternen. Auch meine familiäre Situation spielt dabei eine Rolle. Das muss alles passen. Es macht sehr viel Spaß hier, aber man geht auch stark ins Risiko. Vielleicht ist eine andere Konstellation auch die bessere. Es wäre natürlich schade, wenn es komplett wegfallen würde. Allerdings sehe ich meine berufliche Perspektive weniger im Bereich des Veranstalters.

Viele Dank und alles Gute.